Religiös ohne Gott?

Video-Dokumentation

Kann man religiös sein, ohne an Gott zu glauben? Welche Vorstellungen können wir uns heute überhaupt von Gott machen? Diesen Fragen ging der diesjährige „Hochfeldener Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie“ in Vorträgen, Diskussionen und Workshops nach.

Der Freitagabend begann mit einer humoristischen Annäherung an das Thema. Die preisgekrönte Kabarettgruppe „3Uneinigkeit“ unterhielt das Publikum auf hohem Niveau und mit viel Witz mit Themen aus Theologie, Religion und Kirche. Im anschließenden Gespräch erläuterten die drei Kabarettisten unter anderem, ob man über Gott Witze machen darf, wo die Grenzen von Humor liegen und wie sie zu ihren Pointen kommen.
 
Die erste Referentin des Samstags, die Theologin PD Dr. Sarah Rosenhauer von der TU Dresden, sprach in ihrem Vortrag „gottes name werde tätigkeitswort (Kurt Marti)“ über die Frage, wie man den christlichen Glauben an Gott rational und ethisch verantworten kann. Sie machte sich dafür stark, Glaube nicht als „Unterwerfung, sondern als Befreiung“ zu verstehen. Dabei ging sie auch auf den Aspekt der Liebe ein: „Wenn wir zu Liebenden werden, ist Gott am Werk.“
 
 
Im anschließenden Vortrag erläuterte der Religionsphilosoph Prof. Dr. Sebastian Gäb von der LMU München die Chancen und Risiken einer atheistischen Spiritualität. Er selbst werde nicht gerne als Atheist bezeichnet: „Atheismus ist normalerweise ein Kampfbegriff“. Zunächst müsse man sich darüber verständigen, was man damit meine. Dies sei nur möglich, wenn gleichzeitig definiert werde, was unter „Gott“ verstanden werde. Ausgehend von Konzepten wie Freiheit, Sinn und Spiritualität postulierte er, dass ein Atheist hier zumindest „nicht schlechter dran ist“ als ein glaubender Mensch. Allein beim Punkt der Gerechtigkeit könne der Atheismus keine gute Lösung anbieten. „Wenn der Atheismus recht hat, dann gibt es keine ultimative Gerechtigkeit“ und entsprechend sei die richtige Haltung zum Atheismus nicht Freude, sondern Trauer.
 
 
In der nachmittäglichen Podiumsdiskussion wurde angeregt unter anderem über die Fragen diskutiert, ob Liebe ein Privileg der Glaubenden ist und wie man mit der fehlenden und schmerzlich vermissten universalen Gerechtigkeit auf Erden umgehen kann. Die Teilnehmenden vor Ort sowie die Online-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen und Kommentare einzubringen.
 
 
 
Eine weitere inhaltliche Vertiefung erfolgte in vier Workshops, die am Samstag und Sonntag stattfanden, geleitet von Mitgliedern des naturwissenschaftlich-theologischen Teams des Hochfeldener Dialogs. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit der abschließenden Eucharistiefeier, in die Spiritual Werner Ruschil verschiedene Aspekte der Tagung einbrachte.
 
Der nächste Hochfeldener Dialog zwischen Naturwissenschaften und Theologie findet vom 13. bis 15. November 2026 statt und wird sich mit der Frage „Wann ist Leben?“ beschäftigen.
 
Weitere Informationen zum Hochfeldener Dialog, den Mitgliedern des Teams sowie bisherigen Themen und Videos früherer Veranstaltungen finden Sie hier unter www.hochfeldener-dialog.de.