Die gesellschaftspolitische Konstellation der »alternden Gesellschaft« ist zutiefst widersprüchlich. Die beliebte Praxis langfristiger demographischer Projektionen, ein offenkundiges Symptom der gesellschaftlichen Suche nach demografischer Zukunftsgewissheit, produziert zugleich das Gegenteil, nämlich eine tiefe Verunsicherung darüber, wie sich ein Gemeinwesen mit »immer mehr« Älteren auf dynamische Weise reproduzieren können soll. Offenbar kann sich das kollektive Imaginäre im flexiblen Kapitalismus eine solch dynamische Reproduktion nur so vorstellen, dass die »Gesellschaft des langen Lebens« eine eigentlich »junge« Gesellschaft sein wird – mit jung gebliebenen und also mobilen, aktiven, produktiven »Alten«. Die prognostizierte »gesellschaftliche Alterung« muss im widersprüchlichen Integrationsmodus einer Verjüngung des Alters, ja: der Abschaffung desselben eingeholt und aufgehoben werden.
Prof. Dr. Stephan Lessenich (Soziologie, München)
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