Appelle an heroische Tugenden sind in den westlichen Gesellschaften nach 1945 fragwürdig geworden. Seit den 1980er Jahren taucht das Attribut ‚postheroisch’ auf und beansprucht zeitdiagnostische Aufschließungskraft. Mal bezeichnet es eine Mentalität, dann wieder einen Modus der Kriegsführung oder ein neues Verständnis von Management. Darüber hinaus werden mit dem Attribut Einstellungen belegt, die allergisch auf Pathosformeln reagieren, für Appelle an Opferbereitschaft unempfänglich sind, denen für Tragik die Fallhöhe fehlt und die zur Verehrung großer Männer allenfalls ein ironisches Verhältnis pflegen. Der Vortrag folgt weder dieser Diagnose, noch verwirft er sie. Er unternimmt vielmehr eine Zeitdiagnose zweiter Ordnung und fragt: Was sagt es über unsere Gegenwart aus, wenn sie in so unterschiedlichen Bereichen als postheroisch charakterisiert wird?
Prof. Dr. Ulrich Bröckling (Soziologie, Freiburg)
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