Auffällig viele Verfahren der Selbstpräsentation in der digitalen Kultur gehen auf Methoden zurück, die in der Kriminologie und Psychiatrie seit dem späten 19. Jahrhundert erdacht wurden. Das Format des »Profils«, in den Sozialen Netzwerken heute unbestrittener Ort der Selbstdarstellung, entstand als »psychiatrisches Profil« von Internierten oder als »Täterprofil« von Serienmördern. Die Selbstortung auf dem Smartphone, ohne die kein Pokémon-Go-Spiel und keine Registrierung bei Uber, Yelp oder Lieferando möglich wären, nutzt eine Navigationstechnologie, die bis vor zehn Jahren hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Einsatz von Peilsendern in der Polizeifahndung oder der elektronischen Fußfessel bekannt war. Und die Vermessungen der »Quantified Self«-Bewegung zeichnen Körperströme auf, die einst die Entwicklung des Lügendetektors anregten. Der Vortrag geht der irritierenden Frage nach, warum Geräte und Verfahren, die bis vor kurzem Verbrecher und »Wahnsinnige« dingfest machen sollten, heute als Vehikel der Selbstermächtigung gelten.
Prof. Dr. Andreas Bernard (Centre for Digital Cultures, Lüneburg)
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