Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist rückläufig. Im Jahresbericht der Deutschen Stiftung Organtransplantation ist zu lesen, dass im Jahr 2022 2.662 Organe postmortal von 869 Personen gespendet worden sind, im Jahr 2018 waren dies noch 3.113 Organe von 955 Spender*innen. Demgegenüber stehen 8.826 in Deutschland benötigte Organe – meist eine Niere (n = 6.683). Eine Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigte 2022, dass rund 84 Prozent der Menschen in Deutschland der Organspende positiv gegenüberstehen. Rund 44 Prozent der Bürger*innen haben ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende schriftlich im Organspendeausweis und/oder einer Patientenverfügung festgehalten. Während man in Deutschland der Organspende zustimmen muss, führte die Schweiz nach einer Volksabstimmung die Widerspruchslösung ein. Dies bedeutet, dass alle Menschen automatisch Organspender*innen sind, es sei denn, sie widersprechen explizit.
Für die Organspende gibt es keine Altersbegrenzung. Wichtig ist der jeweilige Zustand der Organe. In Deutschland dürfen Minderjährige mit Vollendung des 16. Lebensjahrs ihre Bereitschaft zur Organ- und Gewebespende selbst erklären. Neben der Einwilligung gilt als zweite Voraussetzung für die Organentnahme der irreversible Hirnfunktionsausfall. Dieser muss zweifelsfrei nach den Richtlinien der Bundesärztekammer festgestellt werden. Neben der Frage, wann ein Mensch tot ist, stellt sich als weitere ethische Herausforderung die Frage nach der gerechten Verteilung der gespendeten Organe. Wie entscheidet man also, wenn zwei oder mehrere Personen für das selbe Spenderorgan in Frage kommen. Hierbei können die beiden Kriterien »Erfolgsaussicht« und »Dringlichkeit« durchaus konkurrieren.
Hinweise auf Transplantationsversuche finden sich bereits früh in der Geschichte. Jedoch ermöglichte erst der medizinische Fortschritt im 20. Jahrhundert die erste erfolgreiche Transplantation einer Niere 1954. Die erste Leber und die erste Lunge wurden 1963 erfolgreich transplantiert. In die Schlagzeilen geriet die Transplantationsforschung Anfang 2022. Erstmals wurde einem Patienten das Herz eines gentechnisch veränderten Schweins transplantiert. Der gentechnische Eingriff zielte darauf ab, Strukturen und Proteine im tierischen Organ, die eigentlich eine Abwehrreaktion beim Menschen auslösen würden, durch humane zu ersetzen. Der Patient überlebte acht Wochen mit seinem neuen Herzen. Das Verfahren, Xenotransplantation genannt, wird als vielversprechend angesehen, um die Liste mit vielen tausend Personen, die auf ein Spenderorgan warten, deutlich zu verkürzen. Klinische Studien werden benötigt, um die Sicherheit und den langfristen Erfolg zu garantieren.
Doch dürfen wir Tiere als menschliche Ersatzteillager nutzen? Eine tierethische Bewertung hängt ganz davon ab, ob man Tiere als Gebrauchsgegenstände einstuft, die zum menschlichen Wohl genutzt werden dürfen (starker Anthropozentrismus), oder ob man sie dem Menschen gleichstellt (Biozentrismus). Eine Zwischenposition, der schwache Anthropozentrismus, rechtfertigt die Transplantation tierischer Organe, sofern das Tier nicht übermäßig leiden muss. So fordert auch das deutsche Tierschutzgesetz bei Tierversuchen jedweder Art das Leiden des Tieres auf ein »unerlässliches Maß« zu beschränken. Auch der Vatikan schloss sich dieser Position an, so seien »Organtransplantationen vom Tier zum Menschen […] moralisch akzeptabel, wenn bestimmte Bedingungen respektiert werden« (Quelle:
Prospects for Xenotransplantation - Scientific Aspects and Ethical Considerations (vatican.va), deutsche Zusammenfassung:
https://www.kath.net/news/742).
Kritiker der Xenotransplantation verweisen auf das Übertragungsrisiko von Infektionserregern vom Tier auf den Menschen. So hatte man nach dem Tod des oben erwähnten Patienten einen für Schweine typischen Herpesvirus im transplantierten Organ gefunden. Dieser war bei den Vorab-Tests unentdeckt geblieben. Als weiteres Risiko wird diskutiert, ob die Bereitschaft zur Organspende sinken könnte, wenn tierische Organe zur Verfügung stünden.
Am Ende noch eine bestürzende Information: Im Juni 2022 bezeichnete das »Philosophie Magazin« 1.200 Euro als Zahl des Monats. So viel Geld erhalten Menschen in Afghanistan für den Verkauf einer Niere. Ihre Motivation? Sich selbst und ihre Kinder vor Armut und Hunger zu retten.
Uns würde Ihre Meinung interessieren. Wie stehen Sie zur Xenotransplantation? http://umfrage.ebfr.de/s/wzdsqf7